Ungefähr 11/2 Stunden Fußweg von Gera in Richtung WNW, an der Straße nach Hermsdorf, liegt der Ort Töppeln, der sich rund 204 Meter über dem Meeresspiegel befindet. Der Ort liegt in einem milden, angenehmen Tal, welches von vier mittleren Bergrücken umgeben wird, nämlich dem:
  • Geraberg, im Volksmund als Gerberg bezeichnet, im Süden
  • Galgenberg im Nordwesten, vermutlich benannt nach der früheren Gerichtsstätte
  • Schafsberg im Norden
  • und der Hart im Süd-Westen
Erstmalige Erwähnung findet der Ort Töppeln am 24. Juli 1308, da aber das Siegel fehlt, wird es nicht als erste urkundliche Erwähnung angegeben.

Zitat: ,, Landgraf Friedrich von Thüringen nimmt das Kloster Buch in seinen Schutz, bestätigt ihm alle seine Rechte und Besitzungen und besonders das Allod mit der Mühle zu Unter-Lödla (Lidelaw), sowie die Dörfer Töpeln und Nauheim (Tepil, Nuwenhain)"¹

Urkundlich wird der Ort im Jahre 1333 als Toplen erstmalig erwähnt, im Jahre 1387 als Topelin und im Jahre 1533 als Doppeln, bzw. als Toppeln.

Zitat: ,,Heinrich Reuss, Vogt von Plauen, und Heinrich der Ältere, Vogt von Gera teilen das von Friedrich von Schönburg erkaufte obere Schloss Langenberg mit Zubehör..."²

So ist die Entstehung des Ortsnamen nicht restlos geklärt, einerseits kann der Name aus dem Sorbischen (Topolina=Pappel, Silberpappelwald) abgeleitet werden. Der Volksmund leitet den heutigen Namen jedoch von Doppeln ab, weil sich zwei Bachläufe, der Erlbach und der Saarbach im Ort vereinen.

Das Wahrzeichen des Ortes war bis 1949 die Kemenate, eine alte Wasserburg, der historische Rest des einstigen Herrenbesitzes.

Als Dorfwappen der Gemeinde Töppeln wird ein aus Gründerjahren stammender Dorfbrunnen mit einer Pumpe genannt, der auch heute noch teilweise erhalten ist.

Der erste Besitzer zu Toplen war Hans Puster, der 1387 als gesetzmäßiger Zeuge einer Schenkungsurkunde des Grafen Oswald von Truhedingen und ,,Heinrich, Herr von Gera", auftritt, der der Mutter und der Schwester eine Jahresrente von 40 Schock Meißner Groschen verschreiben lässt.

Im 15. Jahrhundert und noch 1505 besaßen die ,,Drei Herren von Wolfersdorf", von 1518 bis 1670 die ,,von Ende" Töppeln.

1551 wurde dem Endeschen Besitz noch ein wüstes Gut in Pörsdorf angegliedert. Dieses war die Glanzzeit derer von Ende, die einen Riesenbesitz als ihr Eigentum nannten.

Historisch ist noch zu erwähnen, dass die im Dreißigjährigen Krieg umherziehenden Kriegsvölker die Geraer Gegend sehr in Mitleidenschaft zogen. Gera selbst wurde mehrmals angezündet. In der Pfarre Frankenthal, die mit Töppeln ein Kirchspiel bildete, wurde geplündert, gebrandschatzt und die Kirche selbst ausgeraubt.

Die Kirchenbücher wurden alle verbrannt, weshalb die Eintragungen erst in den darauf folgenden Jahren beginnen.

1684 wird das Gut an Heinrich von Wolfersdorf verkauft, der es aber bereits 1720 an Herrn von Bünau weiterverkaufte. 1805 erwirbt der Geraer Angermüller Johann Gottlieb Oberländer das Gut für 45000 Taler. Dieser baute im Jahre 1795 das noch heute stehende Herrenhaus, da im Laufe der Zeit die Kemenate unbewohnbar geworden war.

Letzter Besitzer des Rittergutes war bis 1945 Walter Mahlfeld, der gleichzeitig Ortsgruppenleiter der NSDAP war.

Im Verlaufe der Bodenreform wurde das Gut und das dazugehörige Land in so genannte ,,Volkeshand" übertragen. Bis zur Wende war das Herrenahus in einem jämmerlichen Zustand, wurd aber in den 90er Jahren saniert. Der Rest des Gutes ist auch noch heute vom Verfall bedroht.

" Zum Gute gehört fast 3/4 der gesamten Flur und zwar der fette Teil derselben und außerdem das Patronat über Kirche und Schule zu Frankenthal im Wechsel mit dem Rittergut in Scheubengrobsdorf"³

Als Richtstätte diente ein nahe gelegener Berg, der aus diesem Grund den Namen Galgenberg erhielt. Hier wurde 1564 ein Verurteilter hingerichtet. 1618 wurde ein 16 Martin Stöckigt aus Lederhose durch den Strang hingerichtet. Diese Hinrichtung ist allerdings in Frage gestellt, da dieselbe im Jahre 1745 nochmals erwähnt wird.

Auffallend für diese Zeit, in der auch so genannte Sühnegerichte abgehalten wurden, sind die Sühnekreuze. Ein solches befindet sich in Mühlsdorf, am östlichen Dorfrand, welcher im Volksmund auch als Pferdekopf bezeichnet wird.

1861 bestand Töppeln aus dem Rittergut, einem Gemeinde,- und Spritzenhaus, 18 Scheunen, 43 Privathäusern, 38 Höfen, 15 Ziegen, 100 Gänsen und 20 Bienenstöcken, 14 Pferde, 253 Schafe und 60 Schweine wurden an Viehbestand gezählt.

Die Seelen der Dorfbewohner waren dem Kirchspiel in Frankenthal anvertraut, in dem auch die damals 37 Kinder zur Schule gingen.

Die Ordnung im Dorf wurde von zwei Ortsbeamten aufrechterhalten.

Die Gemeinde hatte 1861 400 Taler Schulden und musste jährlich zur Erhaltung der Frankenthaler Kultgebäude, des Gemeindehauses, einer Feuerspritze und drei Kommunikationswegen 150 Taler aufbringen. 12/23tel der Gemeindelasten wurden vom Rittergut getragen.

Der bäuerliche Grundbesitz bestand 1861 aus 5 kleinen Bauernhöfen unter 20 Morgen und 13 Grundstücken (Gärten).

Außer dem Rittergut gab es in Töppeln noch fünf Bauern, 35 Häusler und Tagelöhner sowie 25 Dienstboten. Neben den Bauern trieben noch drei Häusler etwas Feldbau. In Töppeln waren Handwerk und Tagelohn vorherrschend. Eine Eintragung von 1872 durch den Pfarrer von Frankenthal berichtet von einer allgemeinen Teuerung und Hungersnot in Deutschland.

Durch eine Pest,- und Ruhrseuche starben allein im Kirchspiel Frankenthal 100 Einwohner. Es wird berichtet, dass ganze Häuser leer standen. Daher wird vermutet, dass auch auf den Ort Töppeln ein Großteil der Sterbefälle entfällt.

Am 23. November 1690 sollen in der Umgebung von Gera Erdstöße bemerkt worden sein. Ein weiteres schweres Erdbeben wurde im Oktober 1711 in der Gegend um Gera registriert. Über Schäden oder Opfer ist jedoch nichts bekannt.

Am 30. März 1812 marschierten französische Truppen unter dem Befehl Napoleons auf der Heeresstraße (2 km oberhalb Töppelns) nach Russland. Der Ort Töppeln war nach dem 1. Weltkrieg überwiegend ein Handwerkerdorf, in erster Linie Bauhandwerker.

Im Sommer fanden die Maurer und Zimmerleute ausschließlich im Dorf Arbeit, während in den Wintermonaten der größte Teil in der Stadt arbeitete.

Die Landarbeiter, die auf dem Gut des Gutsbesitzers Mahlfeldt arbeiteten und einen Stundenlohn von 37 Pfennig erhielten, verdienten die Knechte in den Sommermonaten wöchentlich 12 Mark.

Anfang der 20er Jahre bestand in Töppeln eine schwache Parteigruppe der SPD. Gegründet wurde sie von Bruno Voigt und zählte vier Mitglieder. Eine Parteigruppe der KPD gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Unter der Losung ,,Frisch, frei, stark, treu" gründeten die Arbeiter einen Arbeiterturnverein. Unter dessen Obhut dann später auch das Sommerbad gebaut wurde. Ein Vereinsbuch aus den Jahren 1935 bis 1941 existiert noch heute und befindet sich in meinem Besitz.

In der Zeit der Arbeitslosigkeit von 1928 bis 1933 ging es in Töppeln besonders den Mitgliedern der SPD schlecht. Am 12. Mai 1934 wird Sattlermeister Arno Schmeisser zum Bürgermeister gewählt und auch vereidigt (siehe Dokument). Ihm folgt am 28. April 1942 Reinhard Mittenzwei.

Der Besitzer der Pappenfabrik ließ es nicht zu, dass in seiner Fabrik so genannte ,,politische" Arbeiter beschäftigt waren. Während der Nazizeit wurde der Sportplatz verkauft und die Turngeräte beschlagnahmt. Das Töppeln des Jahres 1940 umfasste neben dem Rittergut mit Mühle eine Pappenfabrik, zwei Mühlen und 78 Wohnhäuser, davon sind 22 nach 1922 neu erbaut worden.

Die Gemeinde zählte zu dieser Zeit 580 Einwohner.

Der Ortsgruppenleiter der NSDAP in Töppeln war der Gutsbesitzer Walter Mahlfeldt. Nach Aussagen von Zeitzeugen, gehörte er jedoch zu den gemäßigten Mitgliedern der Nazipartei.

¹ Brückner
² ebenda
³ ebenda