Die Kemenate zu Töppeln, eine feudale Befestigungsanlage des Mittelalters, war eine der ältesten Wasserburgen im Lande Thüringen.

Die Kemenate Töppeln - WasserburgIn Folge der Besiedlung der Ostgebiete durch deutsche Siedler wurde sie wahrscheinlich im 13. Jahrhundert erbaut. Auf Grund der weitaus früheren Besiedlung dieses Gebietes durch die Sorben, nämlich bereits im 9. Jahrhundert, kann davon ausgegangen werden, daß die ansässigen Sorben beim Bau der Befestigungsanlage Frondienste leisten mußten, wie es allgemein im Feudalismus üblich war.

Die Zeit des Baus schließt man daraus, daß die Fensterbögen im Baustil der Gotik (in Deutschland zwischen 1204 und 1525) erbaut worden ist. Es ist stark anzunehmen, daß sie als Wehrburg von den deutschen Kolonialisten errichtet wurde, da in der Nähe ein wichtiger Handelsweg (dieser verlief von Pörsdorf kommend in Richtung Schloss Osterstein). Es ist nicht auszuschließen, daß dieser zur Kontrolle des Gaus Gera, dessen Verwaltungssitz das Schloss Osterstein war, von den Äbtissinnen von Quedlinburg, bzw. dessen Stiftsverwaltern benutze wurde.

Diese Straße zweigte in Pörsdorf von der bei Hermsdorf verlaufenden Regensburger Straße (eine aus der Zeit der 1. Hälfte des 2. Jahrhunderts stammende römische Handelsstraße) ab. Nach einer Überlieferung soll die Kemenate 1370 auf alten Gewölben, deren Ursprung man nicht kennt, erbaut worden sein. Um einem möglichen Angreifer keinen direkten Zugang zu gewähren, wurde bei Eigenbefestigungen dieser Art grundsätzlich das Erdgeschoß nicht ausgebaut. Aus diesem Grund befand sich im ersten Stockwerk eine Einstiegluke, die mit Hilfe einer Strickleiter erreicht werden konnte. Um jedoch zunächst auf das Gelände der Kemenate zu gelangen, mußte ein breiter Wassergraben überwunden werden.

Die Kemenate Töppeln - WasserburgBetrachtet man die Form der Eingangstür, so ist diese leicht in den Baustil der Gotik einzuordnen. Daher ist anzunehmen, daß die Kemenate bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt nach ihrer Erbauung ihre strategische Wichtigkeit verlor und aus diesem Grund das Erdgeschoß ausgebaut werden konnte. Schätzungsweise Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das Erdgeschoß mit wertvollen Fliesen ausgelegt.

Bis zum Bau des Herrenhauses, Ende des 18. Jahrhunderts, diente sie den Besitzern des Rittergutes als Wohnsitz. Nach der Fertigstellung des Herrenhauses, im Jahre 1795, diente sie als Speicher und wurde bald darauf dem Verfall überlassen. Im Jahre 1857 wurde das dritte Stockwerk abgetragen. Dabei wurde der Wassergraben zum größten Teil mit dem anfallenden Schutt zugeschüttet. 1874 (nach der Wetterfahne auf der Turmspitze 1876) wurde dann noch der Uhrenturm aufgebaut. Nach 1857 wurde die Kemenate von den jeweiligen Besitzern des Rittergutes benutzt. Gleichzeitig war sie Gerichtsstätte. Bis 1836 befand sich hier die Gerichststube, es ist also nicht auszuschließen, daß die Kellergewölbe als Gefängnis dienten. Die Kemenate wurde im Volksmund auch als ,,Kempe" bezeichnet.

In Folge der Wirren des II. Weltkrieges und der anschließenden Bodenreform durch die Kommunisten wurde die Kemenate vermutlich 1949 gesprengt. Ein genaues Datum kann man jedoch nicht festlegen, da darüber keine Unterlagen existieren.

Kemenate WasserburgHeute steht auf deren Grundmauern ein modernes Wohnhaus, gebaut durch die LPG von Niederndorf und heute im Besitz der Familie Glowalla.

Das sich die Gerichtsbarkeit damals in den Händen der Rittergutsbesitzer zu Töppeln befand, soll folgendes Zitat verdeutlichen:

"... Der gegenwärtige Besitzer ist Herr Heinrich Fürchtegott Oberländer und hat die Gerichtsbarkeit über das Dorf und das Patronatsrecht über beide Kirchen und Schulen, abwechselnd mit dem Rittergute Scheubengrobsdorf. Daß das Rittergut sonst die Obergerichte besessen habe, beweist eine Nachricht, daß der Pfarrer Nicolaus Blumauer,1564, einen Delinquenten zum Galgenberg des Rittergute aus begleitet habe. ..."¹