Grundriss BauernhofDas mittelalterliche Bauernhaus des Elstergebietes erfuhr im Wesentlichen im Laufe der Zeit vier Hauptveränderungen.

Das ursprüngliche Bauernhaus war nach der Nationalität der Landesbewohner ein typischer Sorbenbau, als einstöckiger Schrotbau ausgeführt. Er wurde bestimmt durch die Forderung nach Licht und Sonne und sollte gleichzeitig auch Schutz vor Feinden bieten.
Daher wurden die bogenförmigen Fenster auch ziemlich klein gehalten. Vereinzelte Gehöfte dieser Art sind in Hufeisenform angeordnet, bei dem die geöffnete Seite durch eine starke Hofmauer geschlossen ist (siehe Zeichnung rechts oben).

Die Wände bestanden aus horizontal übereinander geschichteten Balken und darüber ein steiles, dichtes Strohdach. Der Hauptraum des Hauses war eine niedrige, aber geräumige Wohnstube.

Alle anderen Räume des Hauses waren der Wohnstube, die gleichzeitig als Schlafstätte der Familie, Waschhaus und Trockenplatz für Holz, Wäsche und als winterlicher Viehstall für Jung- und Kleinvieh diente, untergeordnet. Typischer Aufbau eines Fachwerkes Die inneren Balkenwände hatten eine Bretterverschalung und waren rußgeschwärzt. Der Fußboden lag mit dem Hof auf gleicher Höhe und bestand aus gestampftem Lehm, später auch aus Dielenbrettern. Das Innere der ärmlichen Behausung bestand aus einem starkbohligen Tisch, einer festen Ofenbank, hölzernen Stühlen und einem Topfbrett für Küchengeräte. Eine steile leiterähnliche Treppe führte auf den Boden.

Die zweite Periode war dadurch gekennzeichnet, daß das Bauernhaus ein Obergeschoß aus Fachwerk (siehe Skizze rechts) oder auch als Lehmstock erhielt. Auf einem 50-60 Zentimeter dicken Sandsteinunterbau ist das Obergeschoß, bestehend aus Fachwerk mit kleinen Fenstern, errichtet worden.

Nach 1945 wurden durch großzügige bauliche Maßnahmen neue, meist Ein- und Zweifamilienhäuser gebaut, die die ehemaligen alten Tagelöhnerhütten nach und nach verdrängten.

So steht heute in Töppeln nur noch eine solche Hütte, leer und verkommen.

Das wertvollste Bauwerk in Töppeln, die Kemenate wurde unsinnigerweise 1949 durch die damals verantwortlichen Kommunisten gesprengt. Es wird erzählt, dass der damalige russische Stadtkommandant eine Abneigung gegen alles, was mit militärischen Bereichen zu tun haben könnte, hatte. Ein historischer Verlust sondergleichen.

Auf den Grundmauern der Kemenate steht heute das Wohnhaus der Familie Glowalla. Das Haus der Tagelöhner dagegen blieb einstöckig und ärmlich, ohne Hof, Stall und Scheune. In der dritten Periode setzte sich der Fachwerkbau im Obergeschoß durch und die Häuser erhielten zum Teil bereits feste Grundmauern aus Sandstein, der in dieser Gegend reichlich vorhanden war.

Durch die aufkommende Industrie und die städtische Einwirkung erfuhr das Bauernhaus im 19. Jahr-hundert abermals eine Wandlung. Der Massivbau verdrängte im Erdgeschoß und teilweise im Obergeschoß fast vollständig den Fachbau. Sandstein war zu diesem Zeitpunkt ein sehr billiges Baumaterial.

Zugleich erhielt der Baugeschmack in den Dörfern städtischen Charakter und es wurden die ersten dreistöckigen Häuser gebaut. Das bis dahin vorherrschende Strohdach wurde vollständig durch Schindeln, Dachziegel oder auch Schiefer ersetzt. Die kleinen Fenster wurden größer und das Haus erhielt einen weißen farbenfrohen Anstrich.

Querschnitt FachwerkgebäudeSpäter wurden die Häuser nummeriert und ihre Fassaden etwas künstlich aufgelockert. So erhielten Firstdächer vereinzelt Bretterkreuze und über Häusereingängen wurden Inschriften und fromme Sprüche angebracht. Besonders in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als auch in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts, herrschte im Ort eine enorme Bautätigkeit, wovon einige Pläne zeugen sollen (umfangreiches Material hierzu findet sich im Archiv Greiz).

Besonders der Rittergutsbesitzer Oberländer führte eine Reihe von Baumaßnahmen am Rittergut durch, die Schule wurde gebaut, es entstanden viele neue Gebäude, welches zum größten Teil Wohgebäude waren.

So sehr auch im Laufe der Zeit natürliche, politische und soziale Verhältnisse die Bauart der Dörfer beeinflussten, das Grundgepräge des alten Bauernhauses konnte nicht verdrängt werden. Das Typische für den Ort Töppeln sind heute neben vielen entstandenen Neubauten und dreistöckigen Massivbauten städtischen Charakters die alten Bauernhäuser.

Leider verschwinden jedoch auch sie nach und nach aus dem Dorfbild, mussten Straßenverlegungen weichen, sind teilweise verkommen oder stehen leer. So kann man nur noch die ehemalige Gaststätte ,,Zur Linde" (auf diese wird noch ausführlicher eingegangen) und den Hof der Familie Theil positiv erwähnen, während das Schreibersche Gut, obwohl unter Denkmalschutz stehend, sowie die alte Tagelöhnerhütte inzwischen total verkommen sind, letztendlich Auswirkungen einer verfehlten Politik in 40 Jahren Sozialismus aber auch der Kommune. Sicherlich wäre es interessant darüber nachzudenken, die alte Tagelöhnerhütte als kleines Heimatmuseum herzurichten.

In den letzten Jahrzehnten wurde im Ort eine Vielzahl von Eigenheimen geschaffen, wovon auch die neuen Siedlungen zeugen, so zum Beispiel der Bornacker, die Flurstraße, oder auch die Schulstraße mit dem Grünen Weg. Weitere Siedlungen entstanden Mitte der 90er Jahre und nach dem Jahr 2000 z.B. in der Seeligen, am Steinberg, in der Fankenthaler Straße oder am Sommerbad.