Varianten für A4-Anbindung sorgen für Zündstoff
Artikel der OTZ vom 22.08.2007
„Bürger vermuten politische Interessen" - Varianten für A4-Anbindung heiß umstritten
Von Sigrun Broschardt Kraftsdorf. Nur noch eine reichliche Woche ist auch für die Bürger der Einheitsgemeinde Kraftsdorf Zeit, ihre Stellungnahmen im Raumordnungsverfahren des Landesverwaltungsamtes für die "Verlegung der Landesstraße L 1070/L 2334, Ortsumgehung Töppeln", einzureichen. Und seit man hier Einsicht genommen hat in die Planungsunterlagen für ein Vorhaben, das genau genommen die vom Gesetzgeber geforderte Anbindung der Autobahn 4 an eine Landesstraße beinhaltet, schlagen die Wellen hoch.
Zur Gemeinderatssitzung am Montagabend in Kraftsdorf jedenfalls zeigten sich Töppelner und Mühlsdorfer Einwohner verunsichert und teils wütend zugleich. Der Knackpunkt: Auch wenn das Raumordnungsverfahren erst ein allererster Schritt auf dem Weg zu besagter Anbindung ist - Planer hätten in einem festgelegten Korridor von der Rüdersdorfer Autobahnabfahrt aus Varianten aufgezeigt, bei denen die neue Trasse Ortschaften zerschneide und offenbar in dem kleinen Töppelner Wohngebiet Die Selige sogar der Abriss neugebauter Häuser zu befürchten ist, hieß es. Bei diesen Varianten, die alle ausschließlich eine Streckenführung östlich in Richtung Gera über Rubitz und Thieschitz vorsehen, seien zudem auch teure Brückenbauwerke nötig. Verstehen können die Betroffenen zudem gar nicht, dass die aufgezeigten Planungen auf Luftbildaufnahmen aus dem Jahre 1997 basieren...
Und was besonders den Mühlsdorfern Cornelia Barz und Mario Möller in diesem Zusammenhang aufgefallen ist: Es gibt in besagter Planung auch zwei Varianten, die eine Anbindung in Richtung Frankenthal auf die L 1070 vorsehen. Die würden von der A4 kommend rechts vor Pörsdorf abzweigen, übers Feld führen und bis Frankenthal alle Wohngebiete umgehen . Da seien gleich zwei Landesstraßen in der Nähe und auch das Klinikum kürzer und besser angebunden, so Möller. Das für ihn Suspekte daran ist, dass diese Möglichkeiten in einem, wie man vermutet von der Stadt Gera in Auftrag gegebenen Gutachten als Varianten gar nicht mehr untersucht wurden. Sie tauchen da gar nicht auf, empört sich der Mühlsdorfer. Er glaube deshalb wie andere auch, dass es sich hier um ein Politikum handele. Gera wolle die A4-Anbindung Nord-West so weit wie möglich östlich von Rüdersdorf, wolle so auch den Verkehrsstrom in diese Richtung aus der Stadt leiten. "Gera braucht die Abfahrt West, dann können sie nämlich Mitte zumachen", bringt auch Gemeinderatsmitglied Torsten Elle seine Vermutung auf den Punkt, dass hier politische Interessen im Spiel sind. "Wir machen aber definitiv nur eine Variante mit, die westlich runter geht", ermunterte er die Bürger, möglichst viele entsprechende Stellungnahmen in diesem Verfahren abzugeben. Deren Meinung decke sich schließlich auch mit der des Gemeinderates.
Was Bürgermeister Bernhard Bräuner bestätigte. Man bemühe sich bekanntlich seit Jahren, Pörsdorf und auch die Töppelner Schulstraße durch eine Umgehung zu entlasten, und die Gemeinde habe von Anfang an an ihren Vorstellungen bezüglich der Trassenführung so weit wie möglich westlich der Autobahnabfahrt festgehalten. Die Gemeinde wolle in jedem Fall das Günstigste für die Bürger anstreben, so Bräuner.
In vierzehn Tagen will der Gemeinderat die Stellungnahme im Verfahren beschließen. Neben der Meinung der Mitglieder sollen da auch die der Bürger eine wesentliche Rolle spielen und ebenso die Abstimmung mit dem Landratsamt.
Als Planungsträger fungiere für den A4-Anbinder das Straßenbauamt Ostthüringen, und verschiedene Wege seien in dem Verfahren eben einzuhalten, hatte Rüdersdorfs Ortsbürgermeisterin Sabine Nagler zur Gemeinderatssitzung erläutert. Sie gehe allerdings davon aus, dass es neue Untersuchungen und Unterlagen gebe und das Verfahren wohl neu aufgerollt werde.“
Quelle: OTZ - Ostthüringer Zeitung, Gera, 22.08.2007

